IT-Umschulung
Die Informationstechnologie hat in den letzten zwei Jahrzehnten im privaten, vor allem aber auch im betrieblichen Umfeld zu gravierenden Veränderungen geführt. Entsprechende Anwendungen finden sich im 5-Mann-Handwerksbetrieb genauso wie im internationalen Konzern. Um Informationstechnologie produktiv einzusetzen ist eine entsprechende Infrastruktur erforderlich. Diese umfasst die Entwicklung, Anpassung und Auswahl von Hardware und Software genauso, wie die Schulung und Unterstützung der Anwender. Die notwendige Grundqualifikation erwerben die IT-Experten in Ausbildung oder Studium, Weiterbildung ist notwendig, um sich in diesem sich schnell verändernden Umfeld auf dem Laufenden zu halten.
Neben den reinen IT-Experten bieten die Berufsbilder, die IT-Kompetenz mit wirtschaftlicher Kompetenz kombinieren, einen besonders interessanten Zugang zum Arbeitsmarkt. Auf der Ebene der Berufsausbildung sind dies die Berufsbilder IT-System-Kaufmann und Informatikkaufmann. Die beiden Ausbildungen sind in gewisser Weise komplementär: während der IT-System-Kaufmann typischer Weise bei dem Anbieter von IT-Produkten beschäftigt ist, finden sich Informatikkaufleute eher bei den Abnehmern solcher Angebote. So könnte beispielsweise der Informatikkaufmann bei seinem Arbeitgeber einen Bedarf an einer neue IT-Lösung für die interne Organisation identifizieren und den Auftrag erhalten, entsprechende Angebote einzuholen. Auf Anbieterseite wäre dann anhand der gewünschten Funktionen von einem IT-System-Kaufmann für den beschriebenen Bedarf ein passendes Angebot zu erstellen. An diesem Beispiel wird klar, dass beide Seiten über die IT-Kompetenz verfügen müssen, um einschätzen zu können, welche Hardware, Software und Dienstleistung für die gewünschten Funktionen erforderlich sind. Anfrage, Angebot, Auftrag usw. sind aber auch unter kaufmännischen/betriebswirtschaftlichen Aspekten zu bewerten und ggf. umzusetzen. Beide verfügen also über sehr ähnliche Kompetenzprofile. Aus diesem Grund werden sie in der Umschulung auch in einer Lerngruppe ausgebildet.
Der aktuelle Arbeitsmarkt zeigt für IT-Fachkräfte eine wachsende Deckungslücke auf. Dies zeigen nicht nur die Zahlen des Branchenverbandes BitKOM, sondern auch alle Prognosen von Arbeitsmarktexperten. Ein besonders hoher Bedarf wird bei der Betreuung und Weiterentwicklung der internen Infrastruktur identifiziert. Daher wird dieses Arbeitsfeld im Mittelpunkt der Umschulung stehen. Die Umschulung ist mit einer betrieblichen Praxisphase von ca. einem halben Jahr verbunden. Als Teil der Berufsabschlussprüfung vor der IHK ist eine Projektarbeit vorzulegen, die sich im optimalen Fall aus dieser praktischen Erfahrung ergibt. Das Praktikum ist damit auch letztlich ein entscheidender Faktor für die Frage, ob die Prüfung zum Informatikkaufmann oder zum IT-System-Kaufmann abgelegt wird.
Die Umschulung gliedert sich in drei Abschnitte:
- eine grundlegende Theoriephase von 9 Monaten, in der bereits eine solide fachliche Kompetenz vermittelt wird, so dass die Teilnehmer in der anschließenden Praxisphase auch mit berufsfeldtypischen Aufgaben betraut werden können. Dazu werden in einer ersten Phase die vorhandenen Vorkenntnisse der Teilnehmer ergänzt und aktualisiert, um insbesondere im Bereich der IT-Anwendungen eine gemeinsame Basis für die neuen Inhalte zu erreichen. Als Nachweis der Anwenderkompetenz legen die Teilnehmer die Prüfungen des internationalen Zertifikats ECDL+ ab. In beiden Berufsbildern gehört die Betreuung von Anwendern zu den Kernaufgaben, so dass der Nachweis entsprechender Kompetenz ein zusätzliches Bewerbungsargument darstellt.
- Das anschließende Praktikum von etwa einem halben Jahr dient zur Vermittlung der berufstypischen Fertigkeiten, aber auch zur Vorbereitung der Projektarbeit. Nicht zuletzt ist ein wichtiger Aspekt dieses Praktikums die Vorbereitung auf einen entsprechenden Arbeitsplatz nach Abschluss der Umschulung. Die Teilnehmer erhalten ein qualifizierendes Praktikumszeugnis als Ergänzung ihrer Bewerbungsunterlagen, nicht zuletzt nutzen aber auch viele Firmen die Chance, durch das Praktikum neue Mitarbeiter zu rekrutieren und einzuarbeiten.
- Die abschließende Theoriephase hat vor allem die Aufgabe, auf die Abschlussprüfung vorzubereiten. Dazu wird der prüfungsrelevante Lehrstoff der ersten Theoriephase wiederholt und ergänzt, die Prüfungsanforderungen werden simuliert und die mündlich-praktische Prüfung wird vorbereitet. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei auch die Betreuung der Projektarbeiten. Wegen der Unterschiede der Berufsbilder werden in dieser Phase teilweise themenbezogene Lerngruppen gebildet.


